Menschen - Geschichten - Berichte

Judy Mumbi 
*Illustration by Manon Michelle Monhemius

Persönliche Veränderung bei Teammitgliedern des Trustbuilding-Programms

Donnerstag, 10. Dezember 2020

 

Die Teams des Trustbuilding-Programms (TBP) haben sich zum Ziel gesetzt, Vertrauen in ihren jeweiligen Gemeinschaften aufzubauen. Sie berühren damit nicht nur das Leben der Teilnehmenden, sondern erfahren auch selbst persönlichen Veränderung. Wie haben die Projekte des Programms ihr Leben beeinflusst? 

Joseph Vumiliya 
*Illustration by Manon Michelle Monhemius

Joseph Vumiliya 

 

Woher kommen Sie und wie haben Sie begonnen, über Rassismus zu sprechen?

Ich bin in Ruanda geboren und aufgewachsen, und für einen grossen Teil meines Lebens, von meiner Kindheit bis in meine jungen Erwachsenenjahre hinein, war es mir nicht erlaubt, über die Ungerechtigkeit zu sprechen, deren Opfer ich war. Ich lebte in einer Gesellschaft, in der das Reden über Themen wie Diskriminierung nicht erlaubt war. Wenn man Angst um sein Leben hat, weil man über solche Themen spricht, lernt man schnell zu schweigen.  

Seit ich in Kanada lebe, fühle ich mich langsam immer freier, meine Meinung zu sagen. Obwohl die Gesellschaft in Quebec auch noch nicht bereit ist, offen über Rassismus zu reden, habe ich jetzt das Gefühl, das Thema ansprechen zu können. Ich habe gelernt, wie ich manchmal schwierige Gespräche über das heikle Thema Rassismus mit Familie und im Freundeskreis führen kann, ohne dass Beziehungen zerbrechen

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Was ist Ihre eigene wichtigste Veränderung, die Sie durch die Teilnahme am TBP erfahren haben?

Das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist, dass es möglich ist, das Thema Rassismus effektiv anzugehen. Alles begann damit, dass ich ehrlich zu mir selbst und zu den Menschen um mich herum war. Ich musste Vertrauen und Mut in mir selbst finden, um das Thema Rassendiskriminierung anzusprechen. Auch andere Aspekte meines Weges haben mir geholfen, an diesen Punkt zu kommen, beispielsweise durch Gespräche mit schwarzen und andersfarbigen Menschen und durch das Lesen von Büchern und Dokumentarfilme zu diesem Thema.

 

Wie hat Ihre Arbeit mit IofC und dem TBP dazu beigetragen, dies zu ermöglichen?

Ich habe an einem "Community Trustbuilding Fellowship"-Training in Richmond mit IofC USA teilgenommen und dadurch viel gelern. Ich habe verschiedene Möglichkeiten gelernt, um Zeiten der Stille zu praktizieren und zu reflektieren, und ich habe viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen sowohl in Kanada als auch in den USA geführt. All das hat mir geholfen, ein besseres Verständnis für historische Wunden zu bekommen und dafür, was das Vertrauen zwischen Menschen verschiedener Rassen zerstört. Ich habe auch Einblicke in die Arbeit zur Beseitigung eines systemischen Rassismus gewonnen.

 

Wie geht es Ihnen inzwischen dabei, wenn es darum geht, das Thema Rassismus anzusprechen?

Da ich mehr Einblicke in das Thema gewonnen habe, bin ich jetzt sensibler für den systemischen Rassismus, der um mich herum stattfindet. Ich habe gelernt, dass die Lösung nicht darin besteht, Menschen für ihre rassistischen Handlungen zu beschuldigen, da manche Verhaltensweisen aus unbewussten Vorurteilen resultieren. Es motiviert mich, Menschen um mich herum zu haben, die ein gutes Verständnis für die Problematik des systemischen Rassismus haben, damit wir gemeinsam daran arbeiten können, Vertrauen aufzubauen. Ich habe gelernt, mit Menschen geduldig zu sein und sie auf ihrem Weg der Veränderung zu begleiten, da es viel Selbstreflexion braucht, um unbewusste Vorurteile zu verändern.

 

Möchten Sie wie Joseph an einem Training zu Vertrauensbildung teilnehmen? Sie können hier unsere Events und Veranstaltunge entdecken oder Ihr lokales Trustbuilding-Team kontaktieren.

Judy Mumbi 

 

*Illustration von Manon Michelle Monhemius

 

 

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Das Trustbuilding-Programm befasst sich international und national mit Konfliktthemen. Voraussetzung ist hierbei die Überzeugung, dass nur Menschen, die sich persönlich mit dem Aufbau von Vertrauen auseinandergesetzt haben, weltweit Spaltungen überwinden können. Das Programm wurde 2019 in Kenia, Kanada und Frankreich von Initiativen der Veränderung ins Leben gerufen.