Menschen - Geschichten - Berichte

*Illustration by Manon Michelle Monhemius

Eine neues Jahr mit vier neuen Trustbuilding-Teams

Donnerstag, 14. Januar 2021

 

Das Trustbuilding-Programm begann im September 2019 mit drei Teams in Kanada, Frankreich und Kenia seine Arbeit. Die veschiedenen Länderteams passten ihre Projekte angesichts der Pandemie an und feierten Ende Dezember 2020 offiziell die Übergabe ihres Umsetzungsplans für das erste Jahr. Nun ist es an der Zeit für vier weitere Trustbuidling-Teams, dem Programm beizutreten. Herzlich willkommen, Australien, Indonesien, Nepal und Südafrika!

Da Themen im Zusammenhang mit Vertrauen und Konflikten ortsspezifisch sind, hat jedes Team die Kernprinzipien des Programms an seinen lokalen Kontext angepasst. Im Folgenden finden Sie die Hauptschwerpunkte der neuen Teams.

 

Australien

Projektziel: Aufbau von Vertrauen zwischen nicht-indigenen Menschen in Australien und First Nations-Völkern.

Seit Kapitän James Cook 1770 den Kontinent für Großbritannien beanspruchte, wird die Geschichte unter nicht-indigenen Australierinnen und Australiern zu einem gewisses Maß geleugnet, obwohl die Völker der First Nations das Land seit 60.000 Jahren bewohnen. Dies wurde in der Verfassung nicht korrigiert, auch wenn einige kleinere Wiedergutmachungen vorgenommen wurden. Bei einem von Premierminister Tony Abbott einberufenen Treffen im Juni 2015, bei dem Änderungen an der Verfassung erwogen werden sollten, forderten 40 Führerinnen und Führer der First Nations, dass ihnen die Möglichkeit gegeben werden sollte, sich einzubringen, bevor über vorgeschlagene Kompromissänderungen abgestimmt würde. Infolgedessen führten die First Nations 13 regionale Konsultationen durch, die in der "Uluru-Erklärung" gipfelten, die 2017 veröffentlicht wurde.

Die Führerinnen und Führer der First Nations richteten die Uluru-Erklärung an das australische Volk und nicht nur an die Regierung, und luden es zu gemeinsamen Bemühungen um "faire und wahrhaftige Beziehungen" ein. Das Trustbuilding-Projektteam möchte genau daran arbeiten und setzt sich für die Schaffung von fairen und wahrhaftigen Beziehungen durch nationale Bildungsforen, lokale Initiativen zur "Wahrheitsfindung und Wahrheitsanhörung", Veranstaltungen, Workshops und Gedenkfeiern ein und möchte Menschen begleiten, die in den Prozess der Wahrheitsfindung und Wahrheitsanhörung eingebunden sind.

 

Indonesien

Projektziel: Überwindung von Unterschieden und Aufbau von Vertrauen zwischen Menschen verschiedener ethnischer und religiöser Gruppen, bei gleichzeitiger Förderung der Zusammenarbeit unter jungen Menschen.

Indonesien sieht sich einer Welle von Intoleranz und Spaltungen zwischen Religionen, Ethnien und sozialer Ökonomien gegenüber. Zu dieser Welle gehört auch der gewalttätige Extremismus, der junge Männer und Frauen bedroht.

Das Team hat sich verschiedene Ziele gesetzt, wie z.B. die Ausbildung junger Menschen zum Aufbau von Vertrauen und die Organisation von vertrauensbildenden Camps im ganzen Land. Der Schwerpunkt wird zunächst auf jenen Gebieten liegen, in denen IofC Indonesien bereits vertrauensbildende Maßnahmen durchgeführt hat, z.B. in Jakarta, Bandung, Yogyakarta, Jayapura und Makasar. Interessierte Teilnehmende dieser Camps werden eingeladen, an einer zukünftigen Ausbildung zum sogenannten "Trusbuilder" teilzunehmen, damit sie Teil der vertrauensbildenden Arbeit vor Ort sein können. Das Team hat in der Vergangenheit vor allem mit Menschen christlicher und muslimischer Herkunft gearbeitet und wird Menschen verschiedener Glaubensrichtungen aktiv einbeziehen.

 

Nepal

Projektziel: Überbrückung der seit Jahrzehnten bestehenden Kluft zwischen Madheshi und Pahade.

Das südliche, tief liegende Gebiet Nepals, das an Indien grenzt, wird Terai oder Madhesh genannt und unterscheidet sich geografisch von anderen Gebieten Nepals, die Hügel und Berge haben.  Der Unterschied in Klima und Ressourcen hat dazu geführt, dass Madhesh eine eigene Kultur entwickelt hat und 20 von 77 Distrikten in Nepal ausmacht. Damals, als Nepal noch kein vereinigtes Land war (vor 1743) und der Vereinigungsprozess offiziell begann, kämpften die Bewohnerinnen und Bewohner von Madhesh, bekannt als Madhesis für die Briten gegen die Krieger der Hilly/Pahad-Gemeinschaften, bekannt als Gurkhas. Es wird angenommen, dass die Briten die Madhesis und deren Gebiete 1816 an die Gurkhas übergaben.

100 Jahre nach der Übergabe der Territorien begannen mehrere Bewegungen in der Region, die die Befreiung und die Bildung eines autonomen Staates sowie die Vertretung und Anerkennung der Madhesh innerhalb des Landes forderten. Die Bewegung wurde 2006 stärker, als Madhesi während eines friedlichen Protestes gegen die Übergangsinstitution gewaltsam angegriffen wurden. Diese Konflikte führten zu einem tief sitzenden Misstrauen zwischen den Menschen der verschiedenen Gemeinschaften. Das Trustbuilding-Projektteam versucht, dieses Vertrauen durch Diskussionen am runden Tisch, Aktivitäten, Workshops, den Dialog mit Medienvertreterinnen und -vertretern und Training für Jugendliche wiederherzustellen.

 

Südafrika

Projektziel: Schaffung von Clustern aus vereinten Familien in Kapstadt und Johannesburg, die als Katalysatoren für den Wiederaufbau von Vertrauen und zerbrochenen Strukturen in der Gesellschaft wirken.

Die Geschichte der sogenannten zerbrochenen Familien stammt aus der Zeit der Apartheid (vor 1994) und dem Wanderarbeitssystem, das Männer von ihren Familien trennte. Dies begann in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde insbesondere in der Bergbauindustrie institutionalisiert, die Mitte des 20. Jahrhunderts neben der Landwirtschaft den größten Wirtschaftszweig in Südafrika darstellte. Diese Kultur der Dysfunktionalität wurde durch das Fehlen mehrerer Generationen von Vätern in vielen Familien, insbesondere in den schwarzen und farbigen ethnischen Gruppen, verschärft, was dazu führte, dass es keine Vorbilder für junge Jungen und Mädchen gab. Dies führte zu Konflikten zwischen den Generationen.

Aktuell können eine Weitergabe gegenwärtiger und vergangener unverheilter Traumata, fehlende Erziehungskompetenzen, zerrüttete Familien und die Suche nach Identität und Zugehörigkeit, insbesondere bei jungen Menschen, festgestellt weren. Das Projektteam wird sich speziell auf innere Heilung, Gerechtigkeit und Vertrauensbildung zwischen Eltern/Vormund und Kind konzentrieren. Dies soll durch die Durchführung von Dialogen, Familien-Workshops, Mentoring, Ausbildung lokale Mediatorinnen und Mediatoren sowie gruppentherapeutische Aktivitäten als Grundlage für eine gerechtere und gesündere Gesellschaft dienen.

 

*Illustration von Manon Michelle Monhemius

 

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Das Trustbuilding-Programm befasst sich mit kontroversen Themen in aller Welt. Voraussetzung ist hierbei die Überzeugung, dass nur Menschen, die sich persönlich mit dem Aufbau von Vertrauen auseinandergesetzt haben, weltweit Spaltungen überwinden können. Das Programm wurde 2019 in Kenia, Kanada und Frankreich von Initiativen der Veränderung ins Leben gerufen. Seit 2021 sind auch Australien, Indonesien, Nepal und Südafrika Teil des Trustbuilding-Programms.